Hans-Ulrich Bigler setzt sich als liberaler und bürgerlicher Ansprechpartner seit vielen Jahren mit vollem Einsatz für eine wettbewerbsfähige KMU-Wirtschaft ein. Dies möchte er künftig auch wieder auf Bundeseben tun. Deshalb kandidiert er im Kanton Zürich auf der KMU-Unternehmerliste 22 für den Nationalrat. Deregulierung, eine konsequente Schuldenbremse, eine erfolgreiche Berufspolitik sowie Technologie-Offenheit im Einsatz von konventioneller und erneuerbarer Energie, gehören zu seiner Strategie, um das Erfolgsmodell Schweiz auf Kurs zu halten.

Unter Ihrer Initiative hat die SVP Zürich eine eigene KMU-Liste für die Nationalratswahlen erstellt. Sie stehen mit anderen Persönlichkeiten auf dieser Liste. Welche Idee steckt hinter der KMU-Liste der SVP Zürich?
Hans-Ulrich Bigler: Als liberaler und bürgerlicher Ansprechpartner setze ich mich seit vielen Jahren mit vollem Einsatz und engagiert für eine wettbewerbsfähige KMU-Wirtschaft ein. Bewährte und erfolgreiche KMU-Unternehmerinnen und Unternehmer können mit ihrem Wissen um die regulatorischen Belastungen KMU-taugliche Lösungen einbringen. Sie bringen hohe Erfahrung und ebenso Glaubwürdigkeit mit, um den politischen Handlungsbedarf für KMU aufzuzeigen.
Als ehemaliger Direktor der Schweizerischen Gewerbeverband sgv haben Sie sich jahrelang für die Anliegen der Schweizer KMU eingesetzt. Was braucht es für eine wettbewerbsfähige KMU-Wirtschaft?
Zunächst ist auf die enorm hohe Leistungskraft der Schweizer KMU hinzuweisen. Sie machen 99 Prozent aller Firmen aus und erwirtschaften 60 Prozent der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Damit dies so bleibt, brauchen sie in erster Linie einen möglichst grossen Handlungsspielraum, der nicht durch unnötige Bürokratie von Bern eingeschränkt wird.
Als alt Nationalrat kennen Sie Bundesbern bestens. Was hat Sie bewogen, einmal mehr im Nationalrat mitzuwirken und wo setzten Sie Ihre Prioritäten?
Mit meiner beruflichen und politischen Erfahrung kann ich einen wesentlichen Beitrag in die Debatte einbringen. Als langjähriger VR-Präsident einer Schulungsunternehmung kenne ich die KMU-Probleme auch aus der Praxis. Dank einer wettbewerbsfähigen KMU-Wirtschaft werden neue Arbeitsplätze geschaffen, die Sozialwerke gesichert und unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland gestärkt.
Ein grosses gewerbepolitisches Thema sind Regulierungen. Wie steht es damit und wo ist noch dringend Handlungsbedarf?
Es besteht unverändert Handlungsbedarf. Unnötige Regulierungen – beispielsweise stundenlanges Ausfüllen von Statistiken, bürokratische Abrechnungen für Mehrwertsteuer und Sozialversicherungen, etc. – sind zu vermeiden. Sie verursachen Kosten und binden Kapital im KMU. Das Parlament diskutiert aktuell ein Unternehmensentlastungsgesetz. Das ist ein erster Schritt, aber die Entlastung muss weitergehen, damit alle vom Wohlstand profitieren können.
Ebenso ist Ihr Wahlmotto «Weniger Steuern, Gebühren und Abgaben». Wieso ist dies notwendig?
Zunächst gilt es festzuhalten, dass unser Staatswesen selbstverständlich finanziert werden muss. Wichtig ist die richtige Balance zwischen staatlicher Belastung und unternehmerischem Freiraum zu finden. So wird es möglich, Arbeitsplätze und Lehrstellen zu schaffen, was der gesamten Bevölkerung zu Gute kommt.
Die Energiestrategie 2050 scheint gescheitert zu sein. Wie sehen Sie das als Vizepräsident der Energieagentur der Wirtschaft ENaW sowie als Präsident Nuklearforum?
Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, müssen wir fossile Energie durch Strom ersetzen. Das gelingt nur durch Technologie-Offenheit im Einsatz von konventioneller und erneuerbarer Energie. In der EnAW haben wir mit entsprechenden Energieeffizienzprogrammen in den letzten Jahren massiv an CO2 innerhalb der Wirtschaft eingespart. Ebenso vermag der Nuklearstrom, der kaum CO2-Emmissionen verursacht, einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgungssicherheit zu leisten.
Was braucht es, damit aufgrund der links-grünen Ideologien und Forderungen der Schweiz nicht bald die Lichter ausgehen?
Wichtig scheint mir die offene Diskussion und der Verzicht auf jegliche Denkverbote zu sein.
Schweiz – quo vadis? Momentan scheint es überall irgendwie nicht ganz rund zu laufen. Wie beurteilen Sie als erfahrener Politiker und Wirtschaftsgrösse die Lage?
Die Schweiz steht meines Erachtens auch im internationalen Umfeld gut da. Wir sind es gewohnt, für anstehende Probleme im Rahmen der politischen Diskussion pragmatische Lösungen zu finden. Das ist eine Stärke unseres Landes und deshalb bin ich da zuversichtlich.
Auch der Finanzhaushalt scheint etwas in Schieflage gekommen zu sein. Stichwort Schuldenbremse. Wieso braucht es dies Schuldenbremse unbedingt und wie bringen wir die Finanzen wieder ins Lot?
Die Schuldenbremse ist unverzichtbar und muss zwingend eingehalten werden, um den Bundeshaushalt im Gleichgewicht zu halten. In den letzten zwanzig Jahren konnten wir Schulden nachhaltig abbauen. Das war im Hinblick auf die Covid-Krise enorm wichtig, weil wir nur so die damit zusammenhängenden finanzpolitischen Herausforderungen meistern konnten.
Ein Steckenpferd von Ihnen ist die Berufsbildung. Welche Bedeutung hat Sie für eine sichere und stabile Schweiz und wo sind hier die grössten Herausforderungen?
Berufsbildungspolitik ist für mich ein Herzensanliegen. Dank der dualen Berufsbildung können Jugendliche aus der Schule, über die Berufslehre in den Arbeitsmarkt integriert werden. Sie erhalten damit eine ganz persönliche Perspektive und sie werden in unserer Gesellschaft gebraucht. Und schliesslich stehen ihnen mit der Höheren Berufsbildung sämtliche Karrieremöglichkeiten weit offen.
Was wünschen Sie sich künftig für unser Land?
Auf einen einfachen Nenner gebracht: Einheit in der Vielfalt.
Interview: Corinne Remund




