KOLUMNE Grüezi Züri!
Seit meiner Kandidatur für den Gemeinderat (SVP) stehe ich jeden Samstag an Standaktionen irgendwo in der Stadt Zürich. Wir verteilen Flyer, führen Gespräche, hören zu und diskutieren.
Und immer wieder höre ich den Satz: «Sorry, I don’t speak German.» (Zu Deutsch: Sorry, ich spreche kein Deutsch.»).
Zur Klarstellung: Es handelt sich um keine Touristen mit Rollkoffern und Stadtplan. Es sind Menschen, die hier wohnen. Die hier arbeiten. Die hier ihren Alltag verbringen. Expats – und offenbar viele, die sich bislang nicht die Mühe gemacht haben, Deutsch zu lernen.
Doch bevor jetzt jemand die Augen verdreht: Nein, das hier wird kein parteipolitischer Rundumschlag. Denn das Thema Züritüütsch bewegt längst nicht nur Bürgerliche.
Das zeigte ein Video, das ich kürzlich auf Instagram veröffentlicht habe. Darin spiele ich eine Szene in einer Bar nach: Ich bestelle auf Deutsch, der Kellner antwortet auf Englisch und bittet mich, doch ebenfalls Englisch zu sprechen. Eine Situation, wie sie viele aus der Stadt Zürich kennen.
Offenbar habe ich damit einen Nerv getroffen. Das Video ging in kurzer Zeit viral: über 5600 Likes, rund 400 Kommentare, Dutzende Reposts, mehr als 1600 Shares. Die Reaktionen? Von «Genau so!» über «Das nervt mich auch» bis hin zu «Du hast völlig recht». Aber auch Kritik war dabei: Hinweise auf tiefe Löhne in der Gastronomie, auf den Fachkräftemangel und natürlich auch klare Ablehnung meiner Haltung.
Genau so soll es sein. Diskussion statt Schweigen. Offenbar beschäftigt die Frage viele: Wie viel Englisch verträgt Zürich?
Meine Haltung diesbezüglich ist klar. Vielleicht altmodisch, vielleicht unbequem: Wenn ich in Zürich in eine Bar gehe, möchte ich auf Deutsch – oder noch lieber auf Züritüütsch – bestellen können. Nicht, weil ich Englisch nicht beherrsche. Sondern weil ich finde, dass die Sprache eines Ortes mehr ist als ein Kommunikationsmittel. Sie ist Heimatgefühl, Identität, Alltag.
Es geht nicht darum, dass jemand Goethe zitieren oder perfekte Grammatik beherrschen muss. Es geht um das Minimum. Um ein «Grüezi». Um ein «Was darf’s sein?». Um ein «Danke». Das Vokabular hinter dem Tresen ist überschaubar. Es ist lernbar. Und es ist ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Ort, an dem man lebt und arbeitet.
Natürlich ist Zürich international. Natürlich wächst die Stadt. Und selbstverständlich profitieren wir wirtschaftlich von Menschen aus aller Welt. Aber Internationalität bedeutet nicht Beliebigkeit. Wer hierbleibt, wer hier arbeitet, wer hier Teil dieser Stadt ist, sollte auch bereit sein, ein Stück dieser Stadt anzunehmen. Sprache gehört dazu.
Dabei stehen auch Arbeitgeber in der Pflicht. Wer Personal einstellt, trägt Verantwortung. Nicht nur für Umsatz und Einsatzpläne, sondern auch für den Kontakt mit der Kundschaft. Es ist legitim zu erwarten, dass grundlegende Verständigung möglich ist. Das ist keine Schikane, sondern Service.
Und wir als Gesellschaft? Wir machen es uns oft zu einfach. Wir wechseln reflexartig ins Englische, sobald jemand unsicher schaut. Wir lächeln höflich und passen uns an. Aber vielleicht tragen wir so selbst dazu bei, dass unsere eigene Sprache im Alltag zur Option wird.
Die Schweiz ist ein Land mit vier Landessprachen und einer beeindruckenden Dialektvielfalt auf kleinstem Raum. Nirgends auf der Welt gibt es auf so kleinem Raum so viele Dialekte. Wenn wir diese nicht schützen, verlieren wir Schritt für Schritt unsere Kultur. Und das dürfen wir auf keinen Fall zulassen.
Darum sage ich: Züritüütsch ist kein Auslaufmodell. Es ist Teil dessen, was diese Stadt ausmacht. Und es sollte in Zürich die Regel sein und auf keinen Fall die Ausnahme.
Ihre Meinung zu diesem Thema interessiert mich. Schreiben Sie per Mail an:
de-vizzi@zuerizeitung.ch
ZUR PERSON: Carla De-Vizzi ist Kommunikationsspezialistin mit journalistischem Hintergrund. Seit zwei Jahren arbeitet sie in einer Kommunikationsagentur in Zürich. Sie studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit Nebenfach Politik an der Universität Zürich und absolvierte anschliessend einen Master of Science in Corporate Communication an der Universität von Amsterdam.
Carla De-Vizzi lebt im Kreis 7 der Stadt Zürich und ist stolze Zürcherin. In ihrer Freizeit läuft sie Marathon. Aktuell kandidiert sie für die SVP für den Gemeinderat der Stadt Zürich in den Kreisen 7 und 8.




